Solid-State-Laufwerke: Schnelle Speichermedien für kurze Ladezeiten

Solid State Drives (kurz SSD) sind im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten teuer - verwöhnen Spieler aber mit ihrer Geschwindigkeit. Was beim Kauf und Betrieb von SSDs zu beachten ist, erfahrt ihr in diesem Ratgeber. 

  • von Stephan Freundorfer am 31.03.2016, 15:37 Uhr

Solid-State-Laufwerke müssen nicht wie Festplatten Leseköpfe mechanisch über rotierende Datenscheiben bewegen, sondern verwenden spezielle Speicherchips. Das ermöglicht nicht nur wesentlich schnellere Zugriffszeiten, sondern beschleunigt auch die Datenübertragung im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten enorm. Allerdings ist ein Gigabyte Speicherkapazität bei einer SSD noch immer deutlich teurer als bei einer Festplatte.

 

Kleiner als Desktop-Festplatten

Die meisten Solid-State-Laufwerke sind in puncto Außendimensionen genauso groß wie eine 2,5-Zoll-Festplatte wie sie beispielsweise in vielen Laptops zu finden ist. Auch der Anschluss erfolgt bei dieser Bauform über die normale SATA-Schnittstelle, so dass es kein Problem darstellt, eine Festplatte in einem Laptop direkt mit einer SSD zu ersetzen. Natürlich funktionieren die Solid-State-Laufwerke auch in Desktop-PCs und gehören zumindest bei neueren, schnellen Rechnern inzwischen zur Grundausstattung. Meistens kommt dann ein Adapter zum Einsatz, der den Einbau der 2,5-Zoll-SSD in einen Schacht für 3,5-Zoll-Festplatten ermöglicht.

Viele aktuelle SSDs unterstützen den SATA-3-Anschluss, der theoretisch in der Lage ist, fast 600 Megabyte pro Sekunde zu übertragen. Moderne SSDs können diese Bandbreite auch annähernd ausnutzen, während selbst schnelle SATA-Festplatten bei rund 130 Megabyte pro Sekunde an ihre Grenzen stoßen. Eine SSD im Rechner sorgt also selbst dann für einen Leistungsschub, wenn es sich um ein “langsames” Modell handelt, das die Grenzen der SATA-3-Schnittstelle nur zur Hälfe auslasten kann.

Weitere Anschlussmöglichkeiten

Recht neu sind Festplatten für den M.2-Anschluss, den nur moderne Hauptplatinen bieten. Hier sieht die SSD fast so aus wie ein Arbeitsspeicher-Modul. Der Anschluss einer M.2-SSD befindet sich allerdings an einer der kurzen Seiten. Laufwerke dieser Art können theoretisch bis zu fünf Mal so schnell Daten übertragen wie SSDs mit SATA-3-Anschluss. In der Praxis erreichen aktuelle M.2-SSDs bereits 900 MByte/s bis hin zu 1,5 GByte pro Sekunde. 

Eine technisch verwandte Möglichkeit, eine SSD mit dem PC zu verbinden, sind PCI-Express-Steckkarten, die vom Aussehen her an Grafikkarten mit passivem Kühler erinnern. Hier gibt es bereits Laufwerke, die mehrere GByte pro Sekunde übertragen können. Allerdings richten sich Produkte dieser Art eher an Unternehmen und sind daher auch preislich für Verbraucher nicht sinnvoll. Auch SSDs mit mSATA-Anschluss sind im Handel zu finden. Hier handelt es sich um eine Art Vorläufer von M.2 mit Steckkontakten, der aber nur die Leistung von SATA 3 erreicht.

Viele Vorteile gegenüber Festplatten

Ein großer Vorteil von SSDs ist, dass die sogenannte Fragmentierung von Daten keine Rolle spielt. Bei Festplatten werden Dateien oft in Stücken in verschiedenen Bereichen gespeichert, die der mechanische Lesekopf dann nacheinander ansteuern muss. Bei SSDs gibt es keinen Lesekopf, und wo genau die Daten in den Speicherchips zu finden sind, macht sich bei der schnellen Datenübertragung nicht bemerkbar. Daher entfällt auch die bei Festplatten immer wieder empfohlene Defragmentierung, welche Dateien an einem Ort zusammenfasst.

Da SSDs keinerlei mechanisch beweglichen Teile besitzen, reagieren sie beinahe unempfindlich auf Stöße, die Festplatten schnell zerstören können. Auch mechanische Fehler, die Daten unlesbar machen, können nicht auftreten. Bei den ersten Solid-State-Laufwerken gab es noch Zweifel, wie lange die Speicherchips die Daten zuverlässig sichern und ob die Lebensdauer mit der von Festplatten mithalten kann. Inzwischen ist klar, dass SSDs wesentlich weniger oft ausfallen als Festplatten. Wichtige Daten sollten ohnehin zusätzlich gesichert werden, egal auf welchem Laufwerk sie primär gespeichert sind.

Zu den weiteren Vorteilen der SSDs gehört, dass sie weniger Strom verbrauchen und deswegen auch weniger Wärme erzeugen, vollkommen geräuschlos arbeiten und auch viel weniger Gewicht auf die Waage bringen als Festplatten, die in Metallgehäusen stecken.

Teurer als Festplatten, aber empfehlenswert

Obwohl SSDs in so gut wie jedem Bereich besser abschneiden als Festplatten, gibt es doch einen entscheidenden Nachteil. Während eine Festplatte mit 1 TByte Speicherplatz heute für rund 50 Euro zu haben ist, erhält man für diese Summe nur eine SSD mit bis zu 128 GByte Kapazität. Eine SSD mit 1 TByte kostet sogar rund 250 Euro und damit fünf Mal so viel wie eine Festplatte. Damit bleiben Festplatten für große Datenmengen zumindest für die nächste Zeit weiterhin die bessere Wahl.

Beim Betriebssystem und oft genutzten Programme oder Spielen profitiert der Nutzer in puncto Ladezeiten jedoch deutlich davon, wenn sie auf einer SSD installiert sind. Ein Spiele-Rechner sollte daher als Kompromiss mit einer kleinen SSD und einer großen Festplatte ausgestattet sein, wenn das Budget keine größere SSD erlaubt.

von Georg Wieselsberger

Stephan Freundorfer
Stephan Freundorfer