Oculus Quest Hands On: Tracking, Komfort, Spiele & mehr im Check

Am 21. Mai 2019 veröffentlicht Oculus mit der Oculus Quest das erste Standalone-Headset mit integriertem 360-Grad-Tracking. Wir haben die Quest bereits ausprobiert und fassen alle wichtigen Details zusammen.

  • von Sönke Siemens am 30.04.2019, 11:26 Uhr
Oculus Quest im Einsatz

In diesem Guide zur Oculus Quest erfahrt ihr unter anderem:

  • wie gut das Tracking funktioniert
  • wie hoch der Tragekomfort ausfällt und wie es um die Sound-Ausgabe bestellt ist
  • welche Launch-Titel ihr zum Start der VR-Brille auf dem Schirm haben solltet

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie gut funktioniert das Tracking der Oculus Quest?
  2. Wie bequem trägt sich die Oculus Quest?
  3. Wie gut sind Display und Linsen?
  4. Wie erfolgt die Sound-Ausgabe?
  5. Gibt es einen Augenabstands-Regler?
  6. Wie lange hält der Akku der Oculus Quest?
  7. Was leistet die Oculus Quest technisch?
  8. Was sind die Besonderheiten des Controllers?
  9. Welche Spiele sind für den Start geplant?
  10. Was hat es mit der Cross-Buy-Funktion auf sich?
  11. Wann erscheint die Oculus Quest und was kostet sie?
  12. Unsere Einschätzung

Wie gut funktioniert das Tracking der Oculus Quest?

Kein PC. Keine Kabel. Keine Limits. Mit diesem Slogan wirbt Oculus auf der offiziellen Webseite der Hardware. Und tatsächlich, in der Praxis erhaltet ihr genau das: Eine VR-Brille, die sich komplett ohne PC, Konsole oder Smartphone nutzen lässt und dabei zudem auf lästige Verbindungskabel sowie externe Sensoren verzichtet. Besser noch: Im Gegensatz zur bereits erhältlichen Oculus Go bietet die Oculus Quest volle Bewegungsfreiheit auf allen sechs Achsen.

Ihr könnt euch beim Spielen also frei bewegen, während gleichzeitig die Bewegungen der mitgelieferten Funk-Controller nahtlos ins gerade laufende Spiel übertragen werden. Möglich machen dieses Kunststück allerlei Lagesensoren sowie vier frontseitig platzierte Kameras. Sie vermessen den Raum um euch herum und behalten zudem die Postion der Controller im Blick.

In der Praxis funktioniert das „Insight“ genannte Tracking-System erstaunlich präzise und sorgt für ein geradezu befreiendes Spielerlebnis. Denn Kabel, in denen ihr euch bei hektischen Bewegungen verheddern könnt, gibt es bei der Oculus Quest nicht. Zudem müsst ihr euch nicht wie bei PlayStation VR, Oculus Rift oder HTC Vive mit der Einrichtung externer Sensoren herumärgern. Dies kommt der hohen Einsteigerfreundlichkeit der Oculus Quest massiv entgegen.

Zugegeben, die „Insight“ genannte Tracking-Technik ist eine kleine Sensation. Dennoch ist das System nicht perfekt. Sobald ihr die Controller nämlich außerhalb des Sichtfelds der Kameras bewegt (etwa indem ihr sie zum Rücken führt), sind sie natürlich auch im Spiel nicht mehr zu sehen. Gleiches gilt, wenn ihr einen Controller ganz nah an die Frontseite des Headsets haltet.

Allerdings scheinen die meisten Quest-Titel so designt, dass solche Situationen nur sehr selten vorkommen bzw. durch clevere Algorithmen kaschiert werden. Hitzige 2-Spieler-Duelle in Sports Scramble (wo wir den Controller beim Tennis öfter mal hinter die Schulter führen) machten beim Probespiel beispielsweise keinerlei Schwierigkeiten.

Wie bequem trägt sich die Oculus Quest?

Das Tragesystem der Oculus Quest funktioniert ganz ähnlich wie das der Oculus Rift. Ihr stülpt die Halte-Apparatur zunächst über euren Hinterkopf und bringt das Headset dann vor euren Augen in Position. Damit alles gut sitzt, zurrt ihr abschließend noch drei Klettverschlüsse fest – zwei an den Seiten und einen, der oben mittig über eurem Kopf verläuft. Das Prozedere ist schnell erledigt und dauert kaum länger als 15 Sekunden.

Das Gewicht der Brille beträgt etwa 570 Gramm und ruht größtenteils auf der Front der Brille. Bei unserem kurzen Praxistest fiel Letzteres nicht negativ auf. Wie gut die Gewichtsverteilung bei mehrstündigen VR-Sessions funktioniert, kann allerdings nur die Testversion des Geräts zeigen.

Vielleicht noch spannend: Schenkt man den Aussagen von amerikanischen Testern Glauben, scheint das Headset bei Personen mit Glatze (die die Klettverschlüsse nicht bombenfest zogen) etwas leichter zu verrutschen, als bei Personen, die noch volle Haarpracht genießen.

Wie gut sind Display und Linsen?

Eine große Stärke der Oculus Quest ist ihre hohe Auflösung. Pro Auge stemmt das Gerät 1600 x 1440 Pixel bei einer Bildwiederholrate bei 72 Hertz. Zum Vergleich: Bei der Oculus Quest und bei der Oculus Rift S liegt die Auflösung bei 1280 x 1440 Pixel pro Auge. Lob gibt’s zudem für das OLED-Display, das mit kräftigen Farben und satten Schwarzwerten überzeugt.

Weiter geht’s mit den Linsen. Hier setzt Oculus auf den gleichen Linsentyp, der auch bei der Oculus Rift S zum Einsatz kommt. Die neuen Linsen haben zwei entscheidende Vorteile. Zum einen sorgen sie im Vergleich zur ersten Oculus Rift für eine sichtbare Verringerung des Fliegengitter-Effekts. Zum anderen scheinen sie die störenden Godrays (grelle, das Auge blendende Lichtstrahlen) nahezu vollständig zu eliminieren.

Exakte Angaben zur Größe des Sichtfelds (Field of View) wollte Oculus leider nicht preisgeben. Gefühlt wirkt es jedoch in etwa so groß wie das der Oculus Rift, dürfte sich also im Bereich von ca. 110 Grad bewegen.

Wie erfolgt die Soundausgabe?

Genau wie bei der Oculus Go (und der Oculus Rift S) erfolgt die Tonausgabe auch bei der Oculus Quest über kleine Lautsprecher-Module, die jeweils links und rechts in Ohrnähe in den Tragriemen integriert wurden. Wird Ton abgespielt, hört dies nicht nur der Headset-Nutzer, sondern auch die Personen um ihn herum. Sonderlich laut waren die Lautsprecher jedoch nicht und auch die Tonqualität ließ aufgrund von Bass-Armut im Praxistest etwas zu wünschen übrig.

Die gute Nachricht: Sowohl an der linken als auch an der rechten Seite des Headsets befindet sich ein 3,5 Zoll-Klinkenstecker-Ausgang. Der Anschluss eigener Kopfhörer ist somit kein Problem. Warum genau Oculus zwei Klinkenstecker integrierte, ist dagegen noch nicht ganz klar.

VR-Enthusiasten vermuten, dass Oculus und Zubehörfirmen nach dem Start spezielle Quest-Headsets mit besonders kurzen Kabeln anbieten werden. Vermutlich sind diese dann so aufgebaut, dass man den linken Kopfhörer in die linke Klinkenstecker-Buchse stöpselt und den rechten in die rechte Klinkenstecker-Buchse.

Gibt es einen Augenabstands-Regler?

Ja, genau wie beim ersten Modell der Oculus Rift können Nutzer die Interpupillardistanz (IPD) ganz einfach mit einem leicht erreichbaren Schieberegler an der linken Unterseite der Brille anpassen. Der IPD-Bereich reicht dabei von 58 mm bis 72 mm und entspricht somit dem der ersten Oculus Rift. Wer also schon mit einer Oculus Rift bestens zurecht kam, sollte auch hier keine Probleme haben.

Wie lange hält der Akku der Oculus Quest?

Die Oculus Quest verfügt über einen internen Akku, der über einen USB-C-Anschluss an der linken Seite aufgeladen wird. Wie lange der Akku durchhält, dazu gibt es bisher noch keine offiziellen Informationen. Insider rechnen mit einer Akkulaufzeit von zwei bis drei Stunden. Gerne lassen wir uns jedoch eines Besseren belehren.

Was leistet die Oculus Quest technisch?

Wie eingangs schon erwähnt, wurde die Oculus Quest als Stand-Alone-Gerät konzipiert, nutzt also intern verbaute Hardware. Technisch gesehen setzt Oculus Rift dabei auf die Snapdragon 835-Plattform der Firma Qualcomm. Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes System-on-a-Chip Design, welches einen Octa-Core-Prozessor (4 Kerne mit bis zu 2,45 GHz plus 4 Kerne mit 1,96 GHz), eine Grafikeinheit vom Typ Adreno 540 und weitere essentielle Komponenten in sich vereint.

Der Snapdragon 835 wurde vor allem in Top-Smartphones des Jahres 2017 verbaut, unter anderem im Samsung Galaxy S8, im Google Pixel 2, im Sony Xperia XZ Premium, im HTC U11, im Razer Phone oder im Nokia 8. Für heutige Verhältnisse ist der Snapdragon 835 damit zwar immer noch ein solider Chip, aber definitiv nicht  der neueste Schrei.

Zur besseren Einordnung: Das aktuelle Topmodell aus dem Hause Qualcomm hört auf den Namen Snapdragon 855, bietet eine deutlich stärkere CPU sowie eine deutlich leistungsstärkere Grafikeinheit (Adreno 630) und kommt u.a. in High-End-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S10, dem Sony Xperia 1 oder dem LG G8 ThinQ zum Einsatz.

Doch was heißt das jetzt für Spiele auf der Oculus Quest? Ganz einfach: Grafisch betrachtet sehen diese zwar solide aus, einem Vergleich mit VR-Krachern für PC (wie etwa Lone Echo) können sie dagegen nicht standhalten. Allerdings kaschieren viele Entwickler die eher durchschnittliche Grafikpower der Oculus Quest geschickt durch den vermehrten Einsatz von Cartoon-Grafik oder eine eher minimalistisch angehauchte Optik, wie wir sie beispielsweise in Beat Saber oder Superhot VR finden.

Was sind die Besonderheiten des Controllers?

Die Controller der Oculus Quest sind die gleichen wie die der Oculus Rift S. Streng genommen handelt es sich in beiden Fälle jedoch um einen leicht modifizierte Fassung der bewährten Touch Controller der ursprünglichen Oculus Rift. Wichtigster Unterschied: Der Sensor-Ring zeigt nun nach oben, um das Tracking zu optimieren.

An der Position sowie der Funktionsweise der je fünf Tasten pro Controller sowie den beiden Analogsticks (die sich ebenfalls hineindrücken lassen) hat sich indes nichts geändert. Einziges Manko bisher: Bei schneller Action – etwa in Sports Scramble – öffnete sich das Batteriefach des rechten Controllers leicht. Auch andere Technik-Webseiten berichten von diesem Problem. Ob es Oculus so kurz vor Launch noch gelingt, hier nachzubessern, bleibt abzuwarten.

Welche Spiele sind für den Start geplant?

Laut Oculus sollen zum Start der Oculus Quest mehr als 50 Spiele erhältlich sein. Die Liste der bisher bestätigten Lauch-Titel wirkt dabei überaus vielfältig und deckt eine Vielzahl von Genres ab. Hier eine kurze Übersicht von Spielen, mit denen ihr direkt zum Release rechnen könnt.

Action/Abenteuer:
Journey of the Gods (Turtle Rock Studios)
Moss (Polyarc)
Vader Immortal: A Star Wars VR Series – Episode 1 (ILMxLAB, Ninja Theory, Epic Games)

Ego-Shooter:
Dead & Buried 2 (Gunfire Games / Oculus Studios)
Drop Dead (Pixel Toys)
Robo Recall (Epic Games / Drifter Entertainment)
Superhot VR (Superhot Team)
Space Pirate Trainer (I-Illusions)

Fliegen:
Rush (The Binary Mill)
Ultrawings (Bit Planet Games)

Puzzle:
I Expect You To Die (Schell Games)
Shadow Point (Coatsink)
Keep Talking And Nobody Explodes (Steel Crate Games)

Spaß für Jedermann:
Angry Birds VR (Resolution Games / Rovio)
Fruit Ninja VR (Halfbrick Studios)
Job Simulator (Owlchemy Labs)

Musikspiele:
Dance Central VR (Harmonix)
Beat Saber (Beat Games)
Thumper (Drool)

Grusel/Horror:
Face Your Fears 2 (Turtle Rock Studios)

Sport:
Creed: Rise To Glory
Sports Scramble (Armature Studio)
The Climb (Crytek)

Visuelle Novelle:
Tokyo Chronos (MyDearest)

Was hat es mit der Cross-Buy-Funktion auf sich?

Wer eine PlayStation 4 und eine PS Vita besitzt respektive einen Windows 10 PC und eine Xbox One sein Eigen nennt, dem dürfte der Begriff Cross-Buy hinlänglich bekannt sein. Man kauft ein Spiel und kann es dann auf verschiedenen Plattformen vom selben Hersteller nutzen. Mit dem Verkaufsstart der Oculus Quest hält Cross-Buy – sofern der Entwickler dies wünscht – nun auch im Oculus-Ökosystem Einzug.

Habt ihr beispielsweise den Agenten-Thriller I Expect You To Die bereits auf der Oculus Rift gekauft, erhaltet ihr die Quest-Fassung umsonst – und umgekehrt. Nach aktuellem Stand werden zum Start mindestens 14 Rift-Titel die Cross-Buy Funktion unterstützen, darunter auch Kracher wie Cryteks Kletterspaß The Climb, Gunfire Games’ Zombie-Shooter Dead & Buried sowie Epic Games’ Blechbüchsen-Ballerei Robo Recall.

Wann erscheint die Oculus Quest und was kostet sie?

Die Oculus Quest erscheint am Dienstag den 21. Mai 2019 und ist ab sofort vorbestellbar. Der Preis für die 64 GB Variante liegt bei 449 Euro. Für das Modell mit 128 GB Speicherplatz werden 549 Euro fällig. Der Speicher beider Geräte lässt sich nicht erweitern.

Das Vorgängermodell der Oculus Quest kann man auch mieten...
OCULUS Go 32 GB
OCULUS Go 32 GB
€ 219

Für die erstmalige Einrichtung der Oculus Quest benötigt ihr ein Android- oder iOS-Smartphone sowie die kostenlose Oculus App. Android-Nutzer finden diese hier im Google PlayStore. iOS-Nutzer werden hier im App-Store fündig.

Unsere Einschätzung

Ihr habt VR-Gaming bisher immer gemieden, weil euch die dazu nötigen Geräte (sprich Gaming PC + Headset bzw. PS4 + PlayStation VR + PS Camera) zu teuer oder zu sperrig waren? In diesem Fall findet ihr mit der Oculus Quest eine überaus interessante, einfach zu bedienende Alternative, die zum Start mit einem erstaunlich bereit gefächerten Spieleangebot aufwartet.

Weiterer Vorteil: Egal ob im Urlaub, zu Besuch bei Freunden oder beim Treffen mit Arbeitskollegen nach Feierabend – da die Oculus Quest komplett autark funktioniert, könnt ihr sie zum Spielen praktisch überall mit hinnehmen. VR-Enthusiasten, die in erster Linie großen Wert auf möglichst opulente Grafik legen, sind dagegen mit einem PC-kompatiblen VR-Headset wie der kommenden Oculus Rift S, der HTC Vive Pro oder der kommenden Valve Index besser beraten.

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Sönke Siemens
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