Komplettsysteme: Was ein Gaming-PC von der Stange bieten muss

Das Zusammenbauen von PCs und die Auswahl der Komponenten kann ein interessantes Hobby sein, das allerdings auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Kauf eines Komplett-PCs erspart dem Käufer viel Aufwand - von der Zusammenstellung der Bauteile bis zur Installation der Software. Doch auf einige Details sollte man beim Kauf dringend achten. Hier unsere Tipps!

  • von Stephan Freundorfer am 31.03.2016, 14:23 Uhr

Gaming-PC statt Office-Rechner

Für einfache Aufgaben, beispielsweise das Surfen im Web oder das Erstellen von Dokumenten, reicht ein sehr einfacher und günstiger PC aus, der nicht einmal besonders aktuelle Komponenten benötigt. Ganz anders sieht das bei einem Spiele-Rechner aus, bei dem so gut wie jede Komponente Einfluss auf das Spielerlebnis haben kann.

Ist der Prozessor zu langsam, wird die Grafikkarte nicht schnell genug mit Arbeit versorgt und ist die Grafikkarte zu langsam, ruckelt die Darstellung oder es kann nur mit sehr geringen Details gespielt werden. Auch der Arbeitsspeicher sollte ausreichend groß sein, und ein schnelles Laufwerk hilft dabei, Lade- und damit auch Wartezeiten zu verkürzen.

Prozessoren

Im Allgemeinen gilt der Prozessor als das Gehirn eines PCs, doch bei einem Spielerechner trifft diese Charakterisierung eher auf die Grafikkarte zu, da das Berechnen der Grafik oft mehr Rechenleistung benötigt als die CPU bieten muss. Viele aktuelle Spiele setzen aber trotzdem einen Prozessor mit vier CPU-Kernen bei Intel oder eine CPU mit acht Kernen von AMD voraus. Da beiden Unternehmen unterschiedliche Technik einsetzen, ist ein CPU-Kern von Intel nicht direkt mit einem CPU-Kern von AMD vergleichbar. Das macht auch einen direkten Vergleich der Taktfrequenz (in MHz) nicht möglich.

Beim Kauf eines Komplett-PCs ist darauf zu achten, dass die CPU schnell genug ist. Bei Intel ist ein Prozessor mit vier Kernen, ein sogenannter Quadcore, bereits durch die Typen-Bezeichnung Core i5 zu erkennen. Ein Core i7 ist zwar ebenfalls ein Quadcore, kann allerdings pro Kern gleich zwei Aufgaben erledigen und ist deswegen auch merklich teurer.  AMD nutzt ein anderes Schema für seine FX-Prozessoren, und die erste Zahl nach dem FX-Kürzel gibt die Anzahl der CPU-Kerne an. Ein AMD FX-8350 ist also ein Prozessor mit acht Kernen.

Aktuell sollte beim Neukauf in einem Komplett-PC mindestens ein mehr als 3 GHz schneller Core i5 von Intel, beispielsweise der Core i5-4670K oder der Core i5-6500, oder ein 3,5 GHz schneller AMD FX-8320 oder FX-8350 mit 4 GHz stecken. Die Intel-Prozessoren bieten zumindest im Vergleich zu den aktuellen AMD-Modellen in vielen Spielen trotz niedrigerem Takt eine etwas höhere Leistung bei geringerem Energieverbrauch. 

Grafikkarten

Bei den Grafikkarten steht AMD ebenfalls einem großen Konkurrenten gegenüber, der in diesem Fall Nvidia heißt. Eine Grafikkarte aus der AMD Radeon R9-Serie oder der Nvidia Geforce GTX 900er-Serie stellt für einen Spiele-PC eine gute Wahl dar. Ausführlichere Infos zu aktuellen Grafikkarten für Spieler findet ihr im zugehörigen Ratgeber auf GAMEZ.de. Die dort gemachten Empfehlungen gelten auch hier.

Der Arbeitsspeicher

Aktuell werden in PCs zwei unterschiedliche Standards von Arbeitsspeicher-Modulen verbaut. Der sogenannte DDR3-Speicher ist ein älterer Standard, der aber auch heute noch für alle Spiele schnell genug ist. Systeme mit AMD-Prozessoren können nur diese Art Speicher verwenden. Der Nachfolge-Standard DDR4 kann mit höherem Takt betrieben werden und ist daher schneller, doch große Auswirkungen hat das auf Spiele – im Vergleich zur Grafikkarte oder der CPU – kaum. Intel-Rechner der neuesten Generation verwenden DDR4, ansonsten ebenfalls DDR3.

Viel wichtiger als der Speicherstandard oder der Takt der Speichermodule ist jedoch die verbaute Kapazität. Moderne Spiele verlangen meistens mindestens 4 GByte Arbeitsspeicher, doch immer mehr Titel setzen sogar schon 8 GByte voraus. In manchen Spiele-Rechnern stecken auch schon 16 GByte, die ebenfalls noch sinnvoll sein können. Ein guter, aktueller Spiele-PC ist aber mit 8 GByte ausreichend versorgt und 32 GByte sind zumindest aktuell noch unnötig.

Laufwerke

Festplatten bieten viel Speicherplatz zu einem günstigen Preis, während die alternativen Solid-State-Laufwerke Daten wesentlich schneller übertragen, dafür aber pro Gigabyte Speicherkapazität deutlich teurer sind. Hier spielt also der Geldbeutel die entscheidende Rolle – schließlich gibt es auch SSDs mit Hunderten Gigabyte oder sogar mit Terabyte-Kapazitäten. In manchen Komplett-Systemen sind beide Arten verbaut: Oft befindet sich das Betriebssystem auf einem kleineren Solid-State-Laufwerk, was für kurze Startzeiten und flottes Arbeiten sorgt. Die Festplatte dient dann als Speicher für große Datenmengen wie Spiele, die inzwischen pro Titel oft deutlich zweistellige Gigabyte-Kapazitäten für sich in Anspruch nehmen. Ein guter Kompromiss ist also eine SSD mit ungefähr 120 GByte oder mehr und eine Festplatte mit mindestens 1 TByte Speicherplatz. Wen etwas längere Ladezeiten nicht stören, kann sich aber auch mit einer einzelnen Festplatte begnügen.

Optisches Laufwerk

DVD-Laufwerke und auch -Brenner sind inzwischen so günstig, dass sie preislich bei Komplett-Rechnern kaum ins Gewicht fallen. Da es kaum Software auf Blu-ray gibt, macht ein Blu-ray-Laufwerk oder -Brenner nur Sinn, wenn der PC für das Abspielen von Blu-ray-Filmen oder für umfangreiche Backups verwendet werden soll. Manche Rechner verzichten inzwischen sogar ganz auf ein optisches Laufwerk, da PC-Spiele immer häufiger online gekauft und heruntergeladen werden. Dann ist allerdings für die Installation eines Betriebssystems ein entsprechend präparierter USB-Stick oder eine vorhandene Recovery-Partition mit den Installationsdaten auf der Festplatte notwendig.

Sound & andere Anschlüsse

Für die meisten Spieler reichen inzwischen die in die Hauptplatinen integrierten Soundchips aus, mit denen oft sogar 7.1-Mehrkanal-Klang möglich ist. Für höhere Ansprüche gibt es noch immer Soundkarten, die jedoch so gut wie nie in Komplett-Rechnern verbaut werden. Moderne Spiele-PCs sollten auch USB 3.0-Anschlüsse bieten. Einige externe Geräte wie beispielsweise Virtual-Reality-Headsets setzen diesen Schnittstellen-Standard inzwischen voraus.

Das Betriebssystem

Auch wenn es Alternativen wie Linux oder OS X für Apple-Rechner gibt, Windows ist nach wie vor das Betriebssystem mit dem bei weitem größten Angebot an Spielen. Das wird sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern. Aufgrund der Arbeitsspeicher-Kapazität von mindestens 4 GByte und besser 8 GByte für Spiele ist auch eine 64-Bit-Version von Windows notwendig, da nur damit diese Speichermengen genutzt werden können. Windows 10 ist die neueste Version des Betriebssystems und unterstützt im Gegensatz zu Windows 7 oder Windows 8.1 auch die neue Schnittstelle DirectX 12. DirectX 12 wird in vielen kommenden Spielen unterstützt. Für Spieler ist Windows 10 daher trotz mancher Kritikpunkte wohl die beste Wahl.

von Georg Wieselsberger

Stephan Freundorfer
Stephan Freundorfer