GeForce Now im Beta-Test: Funktionsweise, Voraussetzungen, Spiele

Mit GeForce Now könnt ihr aufwändige 3D-Spiele selbst auf leistungsschwachen Notebooks oder Büro-Rechnern via Stream zocken. Wir haben uns die Beta-Version des Stadia-Konkurrenten mal im Detail angesehen und fassen alle Informationen zusammen.

  • von Sönke Siemens am 07.05.2019, 16:26 Uhr
GeForce Now Keyart

In diesem Guide zu GeForce Now erfahrt ihr…

  • worin die Vor- und Nachteile des Dienstes bestehen
  • welche Hardware und Software nötig ist, um GeForce Now zu nutzen
  • welche bekannten Spiele bereits für GeForce Now optimiert wurden

Anfang März kündigte Google im Rahmen der Game Developers Conference 2019 seinen Spiele-Streaming-Service Stadia an. Wer die Entwicklerkonferenz in San Francisco besuchte, konnte den Dienst bereits ausprobieren. Für die meisten Gamer da draußen ist Google Stadia jedoch weiterhin Zukunftsmusik. Ganz anderes GeForce Now von Nvidia. Bereits seit Oktober 2017 läuft hier eine Beta-Phase für Mac-Nutzer. Im Januar 2018 wurden schließlich auch PC-Spieler ins Boot geholt.

Wir haben uns den Dienst mal genauer angesehen und waren in vielerlei Hinsicht bereits sehr angetan. Alles Wissenswerte fassen wir im folgenden Guide-Artikel zusammen. Hinweis: Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert. Schaut also ruhig öfter mal vorbei.

1. Wie funktioniert GeForce Now technisch?

Die grundlegende Funktionsweise von GeForce Now entspricht der anderer bekannter Spiele-Streaming-Dienste. Will heißen: Statt ein PC-Spiel nativ auf dem heimischen PC zu berechnen, übernimmt diese Aufgabe ein Server-PC in einem Rechenzentrum von Nvidia. Lediglich die Bildausgabe, sprich der Empfang des Video-Streams, erfolgt bei euch zuhause am Rechner.

Euer PC wiederum schickt eure Maus- und Tastatur- bzw. eure Gamepad-Eingaben an den GeForce Now-Server, damit ihr wie gewohnt mit dem Spiel interagieren könnt. All das geschieht in Echtzeit und – sofern eure Internet-Leitung die Voraussetzungen erfüllt – ohne spürbare Verzögerung.

Derzeit stellt Nvidia jedem GeForce Now-Nutzer die Rechenleistung einer Intel Xeon E3-2697 CPU zur Verfügung. Diese hat 18 Kerne und eine Basis-Taktfrequenz von 2,3 GHz. Dazu gesellen sich 16 GB Arbeitsspeicher sowie eine Workstation-Grafikkarte namens Tesla P40 mit 24 GB Arbeitsspeicher. Letztere liefert beim Spielen eine Grafikleistung in etwa auf Aufhöhe mit einer GTX 1080 Ti.

Schritt für Schritt möchte Nvidia jedoch auf sogenannte RTX-Server upgraden. Diese stellen jedem Nutzer Grafikleistung auf dem Niveau einer RTX 2080 zur Verfügung und unterstützen auch Raytracing, was in kompatiblen Spielen wie beispielsweise Metro: Exodus, Shadow of the Tomb Raider oder Assetto Corsa Competizione für deutlich realistischere Licht- und Schatteneffekte sorgt. Spannend: Geht’s nach Nvidia, sollen sich in Zukunft sogar VR-Spiele bei 90 Hz streamen lassen.

2. Welche Hardware wird benötigt?

Die Hardware-Voraussetzungen für die Nutzung von GeForce Now sind vergleichsweise niedrig. Für den Gebrauch am PC genügt folgendes Setup:

Betriebssystem: Windows 7 mit 64-Bit oder besser (die 32-Bit-Variante funktioniert nicht)
Prozessor: Dual Core x86 CPU mit 2,0 GHz oder besser
Arbeitsspeicher: 4 GB oder mehr
Grafikkarte: DirectX9 Grafikkarte, z.B. GeForce 600 (oder besser), AMD Radeon HD 3000 (oder besser) bzw. Intel HD Graphics 2000 (oder besser)

Wer auf einem Mac durchstarten möchte, kann dies auf einer Vielzahl von Geräten tun. Unterstützt werden nahezu alle Modelle des MacBook, MacBook Air, MacBook Pro und iMac (ab 20 Zoll), die 2008 oder später erschienen sind und über eine Intel-CPU verfügen. Zudem muss auf ihnen mindestens macOS in der Version 10.10 oder besser laufen. Im Zweifelsfall könnt ihr die komplette Liste aller kompatiblen Mac-Modelle auch noch einmal hier abrufen.

Wichtig: Da die rechte Maustaste auf MacBooks in der Regel durch gleichzeitiges Drücken des Touchpads mit zwei Fingern ausgelöst wird und dies in vielen Spielen ziemlich unpraktisch ist, empfiehlt sich zudem eine klassische, via USB angeschlossene Maus mit zwei Tasten und Scrollrad in der Mitte.

Wollt ihr dagegen ein GamePad einsetzen, holt ihr euch am besten einen Dual Shock 4 Controller, einen Xbox 360 Controller, einen Xbox One Controller oder ein Logitech Gamepad vom Typ F310, F510 oder F710.

3. Welche Internet-Leitung wird benötigt?

Für ein Spielerlebnis in einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln (720p) bei 60 Bildern pro Sekunde solltet ihr mindestens über eine 15 MBit-Leitung verfügen. Um in Full HD bei 1920 x 1080 Pixeln (1080p) bei 60 Bildern pro Sekunde zu spielen, sollten es mindestens 25 MBit sein.

Wer eine möglichst reibungslose Datenübertragung sicherstellen will, sollte das Empfangsgerät ferner via LAN-Kabel mit dem Router verbinden oder einen modernen WLAN-Router nutzen, der auf der 5 GHz Frequenz funkt.

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Allerdings hat unser Praxistest gezeigt, dass sich GeForce Now auch durchaus zur Zusammenarbeit mit langsameren Internet-Leitungen überreden lässt. In diesem Fall müsst ihr die Warnmeldung vor Spielstart überspringen, indem ihr auf „Continue Anyway“ klickt. Doch Vorsicht: Die Bildqualität ist in diesem Fall ziemlich matschig und geprägt von dauerhaften Kompressionsartefakten.

4. Brauche ich zum Spielen eine spezielle App?

Ja. Sobald eure Registrierung für die GeForce Now Beta erfolgreich war, müsst ihr euch noch die GeForce Now App herunterladen und installieren. Nach dem Start der App erscheint eine Liste mit allen Games, die von GeForce Now unterstützt werden.

Klickt ihr nun auf das gewünschte Spiel, verbindet euch GeForce Now zunächst mit der digitalen Verkaufsplattform, auf der ihr das Spiel erworben habt und bittet euch, eure Login-Daten einzugeben. Unterstützt werden derzeit Steam, uPlay, der Epic Games Store und Battle.net von Blizzard.

Praktisch: Sofern ein Spiel direkt von GeForce Now unterstützt wird, ist es in der Regel bereits auf den Nvidia-Servern installiert und binnen Sekunden startklar. Zeitraubendes Patchen der Spiele sowie der Grafikkarten-Treiber fällt komplett weg, da Nvidia dies für euch Server-seitig übernimmt.

5. Ist das Spielgefühl vergleichbar mit dem an PC oder Konsole?

Wir testeten GeForce Now mit einer 50 MBit-Leitung – zunächst an einem MacBook Pro von Anfang 2015, dann auf einem mehr als fünf Jahre alten Thinkpad von Lenovo.

Ergebnis: Egal ob wir uns in Assassin’s Creed: Unity durch das mittelalterliche Paris meuchelten, im Battle Royale Modus von Fortnite ums Überleben kämpften oder einen Offroad-Boliden in Dirt Rally 2.0 durch die argentinische Pampa scheuchten – die Action lief flüssig und ließ sich präzise steuern. Begeistert waren wir darüber hinaus von den Ladezeiten, die in allen Fällen erstaunlich kurz ausfielen.

Fairerweise sei allerdings gesagt, dass es zweimal zu kurzen Einbrüchen der Bildqualität kam, als wir über das 5 GHz-WLAN spielten. Was genau diese Schwankungen auslöste, können wir nicht sagen.

Fest steht nur, dass das Spielerlebnis ganz normal weiterlief, da GeForce Now die Bildqualität dynamisch herunter schraubte und kurz darauf wieder optimierte. Klammert man diese Situationen aus, war das Spielerlebnis jedoch nur noch schwierig von einer Zock-Session am lokalen PC oder an der heimischen Konsole zu unterscheiden.

6. Was sind die Kinderkrankheiten von GeForce Now?

Für eine Beta-Version läuft GeForce Now bereits erstaunlich gut. Nichtsdestotrotz hat auch GeForce Now (schwankende Bandbreite mal außen vor) noch einige Tücken. Hier einige Beispiele:

1) Sobald ein neuer Patch für ein Spiel erscheint, pflegt Nvidia diesen auf seinen Servern ein und verifiziert ihn. Während dies geschieht, kann es vorkommen, dass das Spiel für einige Stunden nicht zur Verfügung steht. Ganz konkret betraf dies während unseres Tests den Zombie-Shooter World War Z.

2) Nicht selten kommt es zudem vor, dass GeForce Now vor Beginn einer Session erst nach einem verfügbaren Rig suchen muss, der eure nächste Instanz berechnet. Dieser Vorgang dauert in der Regel zwischen wenigen Sekunden und einigen Minuten.

3) Startet und beendet ihr in zu kurzer Abfolge mehrere Spiele via GeForce Now, erscheint häufig eine Fehlermeldung. Diese weist euch darauf hin, dass ihr erst einige Minuten warten müsst, bis ihr den nächsten Titel starten könnt.

7. Welche Spiele werden bereits unterstützt?

Anfang Mai 2019 unterstützte GeForce Now bereits mehr als 400 PC-Spiele. „Unterstützt“ bedeutet in diesem Fall, dass das Spiel nach Einloggen in euren Steam-, uPlay, Epic Games oder Battle.net Account nicht erst noch heruntergeladen werden muss. Ihr seid also in der Regel im Handumdrehen startklar.

Nvidia selbst unterteilt die unterstützten Spiele in verschiedene Kategorien. Prominente Beispiele aus allen Kategorien möchten wir euch im Folgenden kurz vorstellen.

Neuerscheinungen:
Imperator: Rome, Mortal Kombat 11, World War Z, Anno 1800, Tropico 6, The Division 2

Free-to-Play:
Counter-Strike: Global Offensive – Danger Zone, Dota 2, Fortnite, League of Legends, Realm Royal, World of Tanks

Online-Multiplayer:
Ark: Survival Evolved, Atlas, Conan Exiles, DayZ, PlayerUnknown’s Battlegrounds, Rocket League, World War Z

Shoot’em Up:
Bioshock Infinite, Call of Duty: Black Ops 3, Doom, Half-Life 2, Metro: Exodus, Wolfenstein: The New Order

Action:
Batman Arkham Knight, Boderlands: Game of the Year Enhanced, Dark Siders III, Far Cry 5, Ghost Recon: Wildlands

Rennen, Springen und Klettern:
Assassin’s Creed Unity, Assassin’s Creed Odyssey, Shadow of the Tomb Raider, Watch Dogs 2

Du wirst eine wichtige Rolle spielen:
Call of Cthulu, The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition, Fallout 76, Grim Dawn, Kingdom Come: Deliverance, The Witcher 3: Wild Hunt

Strategie:
Anno 1800, Cities: Skylines, Sid Meier’s Civilization VI, Divinity: Original Sin 2, Xcom 2

Teamarbeit:
Insurgency Sandstorm, Killing Floor 2

Schwertkämpfe:
Dark Souls 1-3, Hellblade: Senua’s Sacrifice, Mittelerde: Mordors Schatten, Mittelerde: Schatten des Krieges

Wählen dein eigenes Abenteuer:
Dishonored 2, Firewatch, Life is Strange 2, Ni No Kuni II: Schicksal eines Königreichs, No Man’s Sky

In einer Sandbox spielen:
Don’t Starve Together, Kerbal Space Program, Minecraft, Rust, Stardew Valley, Terraria,

Ums Leben Rennen:
Dead by Daylight, The Evil Within 2, Outlast, Resident Evil 2 Remastered, Resident Evil 7: Biohazard

Bereit? Kämpfe!
Dragon Ball FighterZ, Injustice 2, Mortal Kombat 11, Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4, Soul Calibur VI

Auf der Überholspur:
Assetto Corsa Competizione, The Crew 2, Dirt Rally 2.0, F1 2018, Project Cars 2, Trials Rising

Trainieren, Abschließen und Gewinnen:
Football Manager 2019, NBA 2K19, PES 2019, WWE 2K19

Spieleabend mit der Familie:
Crash Bandicoot N.Sane Trilogy, LEGO Marvel’s Avengers, LEGO Marvel Super Heroes 2, Overcooked! 2, Yooka-Laylee

Computer – Simulation starten:
Ace Combat 7: Skies Unknown, Farming Simulator 19, the Hunter: Call of the Wild, Planet Coaster, Two Point Hospital

Solve the Puzzle:
Myst 1-5, realMYST Masterpiece Edition, URU: Complete Chronicles

Unabhängige Entwickler:
Celeste, Cuphead, Hollow Knight, Into the Breach, Rime, Subnautica, This War of Mine

It’s Demo Time!
Final Fantasy 15 Demo, Pro Evolution Soccer 2019 Demo

Ihr wollt prüfen, ob ein ganz bestimmtes Spiel für GeForce Now optimiert wurde? Dann folgt einfach diesem Link und gebt den Namen in die Suchmaske ein.

8. Was sind die wichtigsten Unterschiede zu Google Stadia?

Zum einen die Tatsache, dass GeForce Now derzeit nur auf PC, Mac sowie auf Shield TV und Shield Tablets läuft. Das Spielen auf regulären Android- oder iOS-Mobilgeräten wird derzeit noch nicht unterstützt. Ausgefallenere Funktionen wie beispielsweise 4K-Streaming eurer Gameplay-Inhalte via YouTube sowie der nahtlose Wechsel zwischen verschiedenen Empfangsgeräten werden von GeForce Now bisher ebenfalls nicht angeboten.

Gleiches gilt für die Integration von Google Assistant, welcher euch im Spiel Tipps in Videoform gibt, wenn ihr an einer Stelle mal nicht weiter kommt.

9. Was kostet GeForce Now und wann erscheint es?

Sofern ihr einen der heiß begehrten Beta-Plätze ergattern konntet, ist die Nutzung von GeForce Now während der Beta kostenlos. Die gewünschten Spiele müsst ihr, wie eingangs erwähnt, jedoch digital kaufen.

Was GeForce Now bei Erreichen der Marktreife kosten wird und wann genau es erscheint, wollte Nvidia bisher noch nicht verraten. Denkbar wäre in jedem Fall ein Pro-Monat-Abrechnungsmodell wie es derzeit Konkurrent Shadow anbietet.

Hier werden im ersten Monat 29,95 Euro fällig, danach bei Abschluss eines 12-Monats-Abos jeweils weitere 29,95 Euro pro Monat. Wir bezweifeln aber, dass der Preis von GeForce Now auf einem ähnlich hohen Niveau rangieren wird.

Zum Vergleich: Wer aktuell Sonys Spiele-Streaming-Dienst PlayStation Now abonniert, erhält für 14,99 pro Monat (bzw. 99,99 Euro bei Abschluss eines Jahresabos) Zugriff auf mehr als 900 Spiele. Letztere sind dabei inklusive und solange verfügbar, wie ihr den Service abonniert. Realistischer erscheint für GeForce Now aus unserer Sicht daher ein Preis irgendwo zwischen 10 und 15 Euro pro Monat.

10. Wie kann ich an der kostenlosen Beta teilnehmen?

Um GeForce Now zu nutzen, benötigt ihr zunächst ein Nvidia-Konto. Wurde dieses angelegt, müsst ihr diesem Link folgen und einen Platz in den Beta beantragen. Das Problem: Aktuell stehen mehr als eine Million Spieler auf der Warteliste. Etwas Geduld solltet ihr also auf jeden Fall mitbringen.

11. Unser Ersteindruck zu GeForce Now

Bereits jetzt zeigt GeForce Now recht eindrucksvoll, dass grafisch aufwändige PC-Spiele nicht zwingend einen topmodernen Gaming-Rechner erfordern. Damit das Spiele-Streaming-Erlebnis Freunde macht, solltet ihr jedoch über eine ausreichend schnelle Internet-Leitung (wir empfehlen 25 Mbit oder besser) sowie einen Online-Tarif ohne Datenbeschränkung verfügen. Denn pro gestreamter Spielstunde in Full-HD donnern hier etwa zehn bis elf Gigabyte durch die Leitung.

Abzuwarten bleibt außerdem, wie sich GeForce Now preislich positionieren wird und welche Abrechnungsmodelle zum Launch zur Verfügung stehen. Wird man den Service in Zukunft pro Stunde abrechnen? Läuft es auf eine pauschale Monatsgebühr hinaus, wie man sie von Shadow kennt? Kann man zwischen beiden Modellen wählen? Oder gibt es später vielleicht sogar eine Variante mit All-Inclusive-Spiele-Flatrate wie sie derzeit von PlayStation Now angeboten wird? Fragen über Fragen, die Nvidia hoffentlich bald beantwortet.

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Sönke Siemens
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