21 zu 9-Gaming: Spielen wie im Kino mit Ultrawide-Bildschirmen

Auf breiten Ultrawide-Monitoren zocken? Klingt verlockend, sollte aber auch wohl überlegt sein! Wir erklären 21 zu 9-Gaming und was ihr dabei zu beachten habt.

  • von Stephan Freundorfer am 05.07.2016, 9:17 Uhr

Die meisten PC-Spieler verwenden heute einen Full HD-Bildschirm im 16:9-Format, welches als allgemeiner Standard gilt. Doch immer mehr Gamer setzen auf einen sogenannten Ultrawide-Monitor mit dem breiteren 21:9-Format. Wir erklären, welche Vor- und Nachteile das 21 zu 9-Gaming mit sich bringt und was ihr zu beachten habt, wenn ihr in den Ultrabreit-Genuss kommen wollt.

 

Filme und Spiele (fast) wie im Kino

Viele neue Spiele unterstützen bereits Auflösungen wie 2.560×1.080 oder 3.440×1.440 Pixel und damit auch das zunehmend beliebte 21:9-Format. Spiele zeigen dann rechts und links mehr von der Spielewelt als auf den üblichen 16:9-Monitoren und erleichtern damit das Eintauchen ins Spielgeschehen. Eingeblendete Informationen an den Seiten verdecken bei diesem Format weniger von der eigentlichen Spielegrafik. 

Natürlich profitiert auch der Windows-Desktop von mehr Platz und Kinofilme können meistens ohne störende schwarze Ränder genossen werden. Diese Vorteile überzeugen immer mehr PC-Nutzer davon, sich einen neuen Ultrawide-Monitor zu holen.

 

Noch nicht alle Spiele kompatibel

Allerdings gibt es einige Punkte zu beachten, denn das breite Format hat nicht nur Vorteile. Auch wenn neue Spiele oft in 21:9 spielbar sind, so gibt es einige Titel, die statt zusätzlichen Inhalten an den Seiten einfach nur ein 16:9-Bild oben und unten abschneiden und diesen Ausschnitt vergrößern.

Damit ist dann tatsächlich etwas weniger von der Spielewelt zu sehen als auf Full HD-Monitoren. Als noch Spiele im 4:3-Format üblich waren, hatten die ersten Spieler mit 16:9-Monitoren eine Weile mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. 

Manche Spiele ohne Ultrawide-Unterstützung stellen die Grafik auch einfach wie auf einem 16:9-Display dar und blenden rechts und links schwarze Balken an, wenn eine entsprechende Einstellung des Monitors gewählt wird. Eine dritte Möglichkeit ist die Verzerrung des Bildes, bei der die 16:9-Darstellung einfach die Breite gezogen wird.

Ob Zoom, Balken oder Verzerrung groß stören oder nicht, ist natürlich Ansichtssache des Spielers. Vermutlich dürften solche Probleme aber ohnehin bald der Vergangenheit angehören, da moderne Spiele-Engines viele Auflösungen und Formate erkennen und unterstützen. Wer wissen will, ob sein Lieblingsspiel bereits Ultra-Widescreen unterstützt, kann diese Liste zu Rate zu ziehen.

 

Hardware-Cheat oder nicht?

Schwerer wiegt hingegen, dass viele Spieler und auch manche Entwickler einen 21:9-Monitor momentan noch als eine Art Hardware-Cheat ansehen, da das erweiterte Sichtfeld in Multiplayer-Titeln einen Vorteil bieten kann.

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der beliebte Team-Shooter Overwatch von Blizzard. In der Beta des Spiels wurde das 21:9-Format noch unterstützt, in der finalen Version aber entfernt. Nach Protesten betroffener Spieler begründete Blizzard die Entscheidung etwas überraschend mit der Konzentration der Grafiker auf herkömmliche Bildformate. Abseits von diesen wären Dinge zu sehen, die eigentlich nicht sichtbar sein sollten. 

Doch viele Kritiker hielten die Befürchtung, 21:9 könnte einen unfairen Vorteil bieten, für den wahren Grund, dieses Format nicht mehr zu unterstützen – Blizzard achtet penibel auf eine ausgewogene Spielbalance. Inzwischen hat der Entwickler versprochen, dass die Unterstützung für das Ultrawide-Format bis Ende Juli 2016 wieder in Overwatch integriert wird.

Die Diskussion darüber, ob damit ein unfairer Vorteil erlangt wird, dürfte aber noch einige Zeit weitergehen (auch hier lässt sich übrigens eine Parallele zu der Zeit ziehen, als 16:9-Monitore noch neu waren). Andere Titel wie League of Legends, bei denen 21:9 zunächst wegen Cheat-Bedenken verpönt war, unterstützen das Format nun ganz offiziell.

 

Höhere Anforderungen an die Grafikkarte

Das breitere Format mit Auflösungen wie 2.560×1.080 oder 3.440×1.440 Pixel stellt aber auch höhere Anforderungen an die Leistung des PCs. Die Grafikkarte muss hier immerhin 33 Prozent beziehungsweise sogar rund 139 Prozent mehr Pixel berechnen als im üblichen Full HD-Format. 

Der Wechsel des Monitors zu einem Ultra-Widescreen-Modell kann also die vorhandene Grafikkarte unter Umständen deutlich überfordern. Eine ausreichend starke Grafikkarte, die Full HD-Spiele problemlos und mit sehr hohen Einstellungen bewältigt, ist Voraussetzung für den sinnvollen Betrieb eines 21:9-Displays, wenn nicht im Gegenzug die Details deutlich heruntergeschraubt werden sollen. Ein Modell eine Geforce GTX 970 oder Radeon R9 290 sollte daher schon im Rechner stecken. Bei 3.440×1.440 wäre sogar eine noch stärkere Grafikkarte empfehlenswert.

 

Wachsende 21:9-Community

Wenn ein Spiel das Format unterstützt und die Grafikkarte genügend Leistung bietet, dann ist Gaming in 21 zu 9 für viele Spieler ein echtes Aha-Erlebnis und ein Fortschritt, auf den sie dann nicht mehr verzichten wollen.

Im Internet diskutieren Fans von Ultrawide-Gaming beispielsweise bei Reddit über die neuesten Spiele und 21:9-Monitore und geben auch Tipps, wie manche Spiele dazu überredet werden können, die Grafik in diesem Format anzuzeigen. Bei Steam gibt es ebenfalls eine Gruppe, bei der über das Thema diskutiert wird und wo eine Liste mit über 150 Spielen aufgeführt ist, die das 21:9-Format unterstützen. Die Webseite Widescreen Gaming Forum bietet ebenfalls viele Tipps und Informationen und das Tool Flawless Widescreen kann bei Problemen helfen.

 

Die besten Monitore

Zu den aktuell besten 21:9-Monitoren für Gamer gehört unter anderem der ACER Predator X34A mit 3.440×1.440 Pixel und einem gebogenen und riesigen 34-Zoll-Display sowie Unterstützung für Nvidia G-Sync.

Auch LG bietet entsprechende Monitore an. Der 29-Zoll-Monitor LG 29 UM 58-P mit 2.560×1.080 Pixel belastet die Grafikkarte und auch den Geldbeutel deutlich weniger, während der LG 34 UC 98-W 34 Zoll Monitor ebenfalls ein gekrümmtes 34-Zoll-Display mit 3.440×1.440 Pixel bietet.

von Georg Wieselsberger

Stephan Freundorfer
Stephan Freundorfer