Meinung

Perception: Deshalb ist die Stärke des Horrorspiels die größte Schwäche

21.06.2017
Autor: Constanze Thiel
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Perception - Das Gameplay ist die größte Stärke und Schwäche des Horror-Adventures Perception - Das Gameplay ist die größte Stärke und Schwäche des Horror-Adventures

Perception ist ein gelungenes Horrorspiel, dessen größte Stärke gleichzeitig seine größte Schwäche ist. In diesem Meinungstext erkläre ich euch, warum das so ist.

Perception bringt frischen Wind ins Horror-Genre und macht gleichzeitig auf Lebensumstände von Menschen aufmerksam, die ihre Welt ganz anders wahrnehmen als ihr es wahrscheinlich gewohnt seid. Denn die Hauptfigur des Horrorspiels ist blind. Das macht Perception zu einer außergewöhnlichen Erfahrung, ist aber zugleich seine größte Schwäche.

Aus der Ego-Perspektive erkundet ihr als Cassie Thornton in Perception ein verlassenes altes Haus, das immer wieder – zusammen mit vier Gegenständen – in ihren Albträumen vorkommt. Während ihr auf der Suche nach der Lösung des Mysteriums durch die menschenleeren Flure und Räume streift, werdet ihr schnell herausfinden, dass ihr darin gar nicht allzu einsam seid. Fans von Genre-Vertretern wie Silent Hill: Shattered Memories oder Project Zero werden an der intensiven Atmosphäre Gefallen finden.

Perception Review: Spiel hat eine große Stärke, die gleichzeitig auch seine größte Schwäche ist Perception Review: Spiel hat eine große Stärke, die gleichzeitig auch seine größte Schwäche ist

Was vielleicht erst einmal nach einem viel genutzten Setting des Horror-Genres klingt, erhält durch die Herangehensweise von Perception Würze. Die Entwickler des Titels, zuvor beteiligt an Spielen der Reihen BioShock und Dead Space, haben dafür intensiv Recherche betrieben und die Blindheit ihrer Hauptfigur behutsam realisiert.

Sie orientiert sich mithilfe von Echolot. Jedes Mal, wenn sie mit ihrem Blindenstock ein Klopfen erzeugt, prallt dieses Geräusch von den Objekten in ihrem Umfeld ab. So kann Cassie einschätzen, wie ihr Umfeld aussieht. In Perception wird dieses Konzept dadurch visualisiert, dass die Umgebung innerhalb eines gewissen Radius für eine kurze Zeit gewissermaßen aufflammt. Wie das genau aussieht, zeigt das folgende GIF.

 

Perception: So sieht das Gameplay des Horrorspiels aus Perception: So sieht das Gameplay des Horrorspiels aus

Das »Sichtfeld« ist in Perception also nicht nur durchgängig begrenzt, sondern verdunkelt sich nach und nach auch wieder bis ihr das nächste Klopfen aussendet. Dementsprechend schwer fällt die Orientierung in den zum Teil enorm verwinkelten Gängen des Hauses, durch das sich Cassie in Perception bewegt. Allerdings müsst ihr darauf Acht geben, nicht zu häufig Klopfgeräusche zu erzeugen.

Auf diese Weise macht ihr nämlich ein übermächtiges Wesen auf euch aufmerksam, das sich an eure Fersen heftet. Je weiter ihr im Spiel fortschreitet, desto schneller wird es dadurch übrigens auf den Plan gerufen, was den Schwierigkeitsgrad angenehm in die Höhe treibt.

Durch diese Besonderheit tritt ein anderer eurer sieben Sinne in den Vordergrund, weil ihr euch auf diese Art des »Sehens« nur bedingt verlassen könnt – das Hören. Was in einem Horror-Adventure, das einem leerstehenden Haus durch fantastische Soundeffekte doch Leben einhaucht, für eine ganze Reihe Gänsehautmomente sorgt.

So innovativ und gut umgesetzt die Blindheit der Figur Cassie in diesem Videospielkontext auch ist, es macht Perception zu einem Titel, der nicht nebenbei gespielt werden kann. Zu viele spannende Aspekte der Story gingen euch durch die Lappen und umso schwerer fiele euch das Zurechtfinden. Sich diesem Horror-Titel in einer möglichst ruhigen Umfeld wachsam zu widmen, ist also empfehlenswert.

Bei einer Spielzeit von rund 6-8 Stunden schwindet aber auch die beste Konzentration und das ist der Knackpunkt bei Perception. Neben die Komplizierung der Orientierung und der damit verknüpften Klopf-Mechanik, die das Spiel so reizvoll macht, erschweren im späteren Verlauf ebenfalls einige Feinde euer Vorankommen. Auf Dauer gestaltet sich Perception deshalb anstrengend – teilweise so sehr, dass es unangenehm wird.

Perception: Screenshot des Horror-Games Perception: Screenshot des Horror-Games

Dass ich Perception für fordernd halte, bedeutet aber nicht, dass es in meinen Augen ein schlechtes Spiel ist. Im Gegenteil – es verlangt seinen Spielern schlichtweg einen Grad von Aufmerksamkeit ab, den vielleicht nicht jeder zu geben bereit ist. Wenn ihr euch aber darauf einlasst und konzentriert die Ingame-Welt erkundet, belohnt euch Perception mit einer stimmungsvollen Gruselgeschichte und einem der fiesesten Momente, die ich jemals in einem Horrorspiel erlebt habe.

Zum Schluss seien Genre-Fans zwei Artikel empfohlen. Einer von ihnen stellt Friday the 13th: The Game und Dead by Daylight gegenüber, der andere dreht sich um den Horror-Shooter Hunt: Showdown, der mit Survival-Elementen, Koop und mehr aufwartet.

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